Die Prophezeihung des Tattoos
Kartenlegen war für Mario ebenso wie Wahrsagen, nur esoterischer Quatsch, der allenfalls eine Berechtigung zur Belustigung in alkoholschwangerer Runde seine Berechtigung hatte. Bis sich vor 5 Jahren sein Leben in einen kompletten Scherbenhaufen verwandelt hatte: Er stand kurz vor der Scheidung, hatte keinen Job mehr, dafür fast 50.000 Euro Schulden und litt unter einer schweren depressiven Episode. Er dachte an eine Begegnung zurück, die fast 10 Jahre zurück lag:
Mario lag am Badesee und präsentierte stolz das Tattoo, das er sich kurz zuvor hatte stechen lassen. Es zeigte einen Adler, der seine Schwingen vor dem Sonnenuntergang ausbreitete. Er döste in der Sonne und erschrak, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. “Darf ich dir die Karten legen?”, fragte ihn eine Frau, die etwa Mitte 30 war. Nicht besonders hübch, nicht häßlich, eher irgendwo im Durchschnittt. Auf keinen Fall sah sie so aus, wie er sich eine Kartenlegerin oder Wahrsagerin vorgestellt hatte. “Warum?”, fragte er völlig überrascht.
“Dein Tattoo, ich habe ein ungutes Gefühl. Vielleicht kann ich dir helfen. “Also doch eine Irre”, hatte er gedacht und ließ sich die Karten legen. Vielleicht ließ sich ja ein Spaß daraus machen.
“Du bist ein extrem freiheitsliebender Mensch”, sagte sie, als das Kartenbild zwischen ihnen im Gras lag. “Du wirst viel erleben. Aber sei vorsichtig. Laß nicht zu, dass dir jemand die Flügel abschneidet, sonst stürzt du ins Unglück.” Irgendwann, er hatte diese Begegnung längst vergessen, hatte er geheiratet und in dieser Beziehung genau das Gefühl bekommen, das sie beschrieben hatte.
“Komisch”, dachte er, “vielleicht hatte sie doch recht.”
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